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STADTBLATT PFORZHEIM

Nicht alles glänzt im "neuen" Tierheim

Die neue Tierheimleiterin Ute Andok

Auch nach der Entlassung des umstrittenen Ex-Tierheimchefs Christian Ende ist anscheinend hinter dem Wartberg nicht alles rosig. Das Heim soll notorisch überbelegt sein, so Insider. Deshalb würden auch Hunde, die sich nicht vertragen zusammen in einen Käfig gesteckt. Oft dürften auch Eltern mit Kindern Tierheim-Hunde "Gassi" führen. Die Vierbeiner würden geärgert und dann wieder zurück gebracht. Erst kürzlich bekam nach unseren Informationen das Tierheim unerwünschten "Zuwachs" durch ca. 50 Hunde und andere Tiere. Diese seien einem Ehepaar aus dem Enzkreis abgenommen worden, weil sie unter unsäglichen Zuständen in einem Keller gehalten wurden. "Den Leuten wurden sogar zwei Hunde zum Weiterzüchten gelassen", wundert sich eine Insiderin im Gespräch mit dem Stadtblatt.

Was viele Tierfreunde nicht verstehen: Hunde werden grundsätzlich nicht an Leute vermittelt, die ganztags arbeiten. Somit entfallen die meisten Chancen, den herrenlosen Vierbeinern ein neues Zuhause zu geben. "Ich könnte morgens vor der Arbeit, in der Mittagspause und Abends Gassi gehen - doch ich bekomme keinen Hund", sagte eine Interessentin zum Stadtblatt.

Nach der Entlassung von Christian Ende und seiner Misswirtschaft war das Pforzheimer Heim völlig Pleite. Heute warten etwa 60 Hunde auf ihre Vermittlung, dazu rund 20 Katzen sowie viele andere Tiere. Dies alles kostet jährlich mehr als 550.000 Euro.

Das Tierheim soll für seine öffentliche Aufgabe nicht genug Unterstützung durch die Stadt erhalten. Positiv: Viele Hunde dürften regelmäßig auf einer umzäunten Wiese miteinander herumtollen. Übrigens wird die Käfighaltung von fortschrittlichen Tierheimen abgelehnt. fit

Der Abschied fällt schwer: Wer sein verstorbenes Haustier würdevoll bestatten lassen will, findet hier eine gute Adresse.

Anmerkung von 2010: Der ehemalige Tierheimleiter Christian Ende wurde inzwischen entlassen. Die Informationen des Stadtblatts haben sich bestätigt. Hier unser damaliger Bericht im Stadtblatt:

Pforzheimer Tier-Knast: Tod für viele Vierbeiner

Bericht aus dem Stadtblatt von 2003

Hohe abschreckende Zäune rund um das Gelände hinter dem Wartberg. Sogar mit Stacheldraht. Ein massives Gittertor mit Sprechanlage. Die Telefonnummer am Schild entfernt. Hier sollen Tiere regelmäßig umgebracht werden.

Herzzerreißendes Bellen und Heulen schallt fast ununterbrochen über die umliegenden Felder. Unzählige Hunde, eigentlich kontaktbedürftige Rudeltiere, stecken einzeln isoliert in engen Metallkäfigen. Eine Atmosphäre wie im Hochsicherheitstrakt eines Gefängnisses. Doch es geht um das Pforzheimer "Zentraltierheim" (ZT) hinter dem Wartberg. Hier landen Tiere, die aufgefunden, abgegeben oder von der Polizei beschlagnahmt wurden. Spontan mal eine Stippvisite machen, um sich die Verhältnisse drinnen anzuschauen und die "Insassen" zu besuchen? Oder gar eine der armen Kreaturen mit nach Hause zu nehmen. Fehlanzeige. Nur an vier Nachmittagen pro Woche und samstags von 10 bis 12 Uhr ist grundsätzlich der Zugang zum Tierheim möglich, verkündet das Schild am Eingang. Trotzdem ist das ZT rund um die Uhr bewacht. Was soll diese "Festung"? Hat man etwas zu verbergen?

Immer wieder gab es in den letzten Jahren Berichte über angeblich schlimme Vorgänge hinter diesen Zäunen. Dem STADTBLATT liegen Zeugenaussagen vor, nach denen ehrenamtliche Helfer "die Zustände im Pforzheimer Tierheim nicht mehr ertragen konnten" und deshalb ihre Tätigkeit aufgaben. Ein weiterer Mann berichtet folgenden unfassbaren Vorfall: Er habe beim Spazierengehen einen schwer verletzten Greifvogel gefunden und ins ZT gebracht. Dort habe man vor seinen Augen den Vogel einfach durch "Hals umdrehen" getötet, sagte uns der entsetzte Pforzheimer Tierfreund. Nur Einzelfälle, die aber schlimm genug sind? Als wir nachforschen wollten, wo ein kürzlich vom Ordnungsamt beschlagnahmter Hund verblieben war, wurden wir zuerst vom sächsisch sprechenden "Wachpersonal" des ZT belogen. Ein solches Tier sei nicht abgegeben worden, hieß es. Erst auf drängendere Nachfrage dann die Wahrheit. Und eine Drohung mit Anzeige wegen Hausfriedensbruch, weil wir uns mit der Kamera umschauen wollten, wie die Vierbeiner untergebracht sind. Schließlich alarmierten die Tierheim-Wächter sogar die Polizei, die uns ebenfalls daran hinderte, Filmaufnahmen zu machen. Ein offizieller Besuch wurde unserer Redaktion verwehrt.

Vorkommnisse, die fast an Stasi-Methoden in der DDR erinnern. Das ZT scheint die Öffentlichkeit zu scheuen - zumindest ist die Adresse des Heimes im Internet seit Monaten nicht mehr erreichbar. Im Gegensatz zu Hunderten anderer ähnlicher Einrichtungen in ganz Deutschland. Das Heim wird in enger Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Ordnungsamt vom "Tierschutzverein Pforzheim" betrieben. Auch im Inneren der angeblich tierfreundlichen Einrichtung herrscht die Atmosphäre einer Militärkaserne. Nur Panzersperren und Wachtürme fehlen noch. Schranken, Sperrketten und Stopschilder dagegen sind reichlich vorhanden. "Auf gewisse Weise erinnert mich die Atmosphäre im Pforzheimer Tierheim sogar an ein KZ", sagt ein Kritiker zum STADTBLATT. Besucher dürfen ihre eigenen Hunde nur bis zu einer "Sperrzone" mitbringen. "Fremde Tiere könnten Krankheiten einschleppen", so die offizielle Begründung. Möglicherweise durch Erreger verseuchtes Futter, von dem vorher kranke Heimtiere gefressen hatten, steht dagegen im ZT offen zugänglich herum.

Eine strikte, nahezu militärische Befehlshierarchie herrscht unter dem Personal. Besonders vor dem städtischen Ordnungsamt scheinen alle hier zu "kuschen". Ohne Anweisung von "oben" geht nichts. Immerhin war der Tierheimleiter Christian Ende (ein Verwandter des verstorbenen Schriftstellers und Friedensfreundes Michael Ende) nach unseren Informationen früher Offizier der Bundeswehr. Seit Jahrzehnten befehligt er die Geschicke des ZT und seiner Insassen. Auch in der Vergangenheit schon umstritten, wie Medienberichte belegen. Ende ist gleichzeitig Vorsitzender des Pforzheimer "Tierschutzvereines" und Leiter des ZT. Er sei früher ein "hohes Tier" im Wildbader Bundeswehrkrankenhaus gewesen. Unliebsame Personen und Kritiker der Zustände "aus den eigenen Reihen" bekämen von Ende regelmäßig Hausverbot. Oder würden sogar mit Gerichtsprozessen bedroht. Das Personal verfüge überwiegend über keine besondere Fach-Qualifikation, der Notdienst werde zum Beispiel von einem ehemaligen Elektriker aus Ostdeutschland versehen. Leiter Ende selbst soll übrigens passionierter Jäger sein - und spielt nach außen den Tierfreund. Ordnungsamts-Vizechef Kühn über Ende: "Wir arbeiten gut zusammen, er greift ordentlich durch."

Ob der ZT-"General" im Militärhospital auch das Wort "Euthanasie" gelernt hat? Wie uns eine Insiderin des ZT (Name der Red. bekannt) an Eides statt mitteilte, würden im Heim regelmäßig Tiere eingeschläfert. Beschlagnahmte, vom städtischen Amtsveterinär in "einsamer Entscheidung" als gefährlich erklärte Hunde würden getötet, sobald die Beschlagnahmung aufgehoben werde. "Dann kommt der Amtsveterinär mit schwarzem Hut - und wenn einer der verängstigten Hunde bellt, bedeutet das seinen sofortigen Tod", berichtet die Insiderin, die aus Angst vor Repressalien durch den gefürchteten Tierheim-General ihren Namen nicht öffentlich nennen will. Ebenso schlimm ergehe es regelmäßig gebrechlichen Katzen und anderen Lebewesen. Die toten Tiere landeten in einer Tiefkühltruhe, bis sie der Abdecker abhole. Kontakte zu Tierschutzvereinen in anderen Städten würden meist unterbunden, damit "nichts durchsickert", so unsere Zeugin. Unter Raumnot leide das ZT nicht. Genügend Plätze seien frei, aber das ZT habe kein Interesse, kranke oder alte Tiere aufzunehmen. "Die lassen sich schwer vermitteln, passen nicht ins Bild und machen zu viele Umstände." Deshalb stünden derzeit über 100 Tiere auf der Warteliste und würden nicht im ZT aufgenommen.

Am Geld scheint es nicht zu mangeln. Für 1.2 Millionen Mark sei unlängst ein neues Käfighaus gebaut worden. Dabei seien sehr teure Fliesen verlegt worden. Doch weder die Abflüsse noch die Heizung funktionierten richtig. "Für so viel Geld hätte ich mir eine Luxusvilla hinstellen können", so unsere Zeugin. Der beauftragte Architekt soll Mitglied im Tierschutzverein sein. Eine öffentliche Ausschreibung des Baus habe es nicht gegeben. Obige Informationen wurden uns gegenüber inzwischen von anderen Insidern bestätigt. Sollten sich all diese Vorwürfe bewahrheiten, könnte Christian Ende endlich wirklich am Ende sein. Es sei denn, er wird weiterhin - wie in der Vergangenheit - gedeckt von einer Vereinslobby, der etliche einflußreiche Pforzheimer angehören sollen.

Keine Antwort bekamen wir auf unsere zweimaligen schriftlichen Fragen vom Pforzheimer „Tierschutzverein“. Auch der Landestierschutzverband rührte sich bis Redaktionsschluß nicht. Lediglich der Deutsche Tierschutzbund bat um weitere Informationen von uns.

Haben Sie ähnliche Erfahrungen mit dem Pforzheimer Tierheim oder dem Ordnungsamt gemacht, wissen Sie noch mehr über die mutmaßlichen Missstände? Dann melden Sie sich garantiert vertraulich unter Telefon 312113 beim STADTBLATT. Wir können auch Kontakte zu engagierten Fachanwälten vermitteln. JüWi

Aktion des "Deutschen Hundemagazins" gegen Hundehass: http:// www.deutsches-hundemagazin.de/kampfhunde/redribb on/index.htm Weitere Infos: http://www.aktion-hund.de und www.protect-animals.de

Hilferuf per Internet

Hundefreunde aus Österreich retteten den fünfjährigen Hund "Snoopy" aus dem Pforzheimer Tierheim. Dort sollte er, so berichtet sein neues Frauchen Viktoria, getötet werden. Die erfahrene Hundehalterin: "Snoopy musste hundeunkundige Behandlung über sich ergehen lassen. Mit Stock und Drahtschlinge eingefangen, Maulkorb umgebunden, mit Spritzen gequält, Schmerzen und Lebensangst erduldend." Eingesperrt in ein Gehege von kaum fünf Quadratmetern, so die Tierfreundin. Übers Internet habe sie einen "Hilferuf" erhalten und beschlossen, Snoopy zu retten. Der Rüde sei ein "absolut toller und freundlicher Hund".

KOMMENTAR

Hundefreunde in Angst

Unter Hundebesitzern in Pforzheim herrscht Angst. Viele Tierfreunde fürchten, dass ihnen ihre "besten Kameraden" weggenommen werden. Deshalb führen sie ihre Vierbeiner an der Leine, obwohl dies generell in Pforzheim nicht Pflicht ist. Etliche zwängen ihre Hunde sogar in einen quälenden Maulkorb - aus Furcht vor dem Ordnungsamt und der Polizei. Und vor böswilligen Zeitgenossen, die das Amt gerne als "Zeugen" benutzt. Erst kürzlich wurde ein absolut freundlicher Dobermann von der Polizei beschlagnahmt - obwohl er niemals einem Menschen etwas getan hatte. Lediglich mit anderen Rüden kam es vereinzelt zu harmlosen und eher spielerischen Streitereien. Eine an sich normale Sache, so wissen Fachleute. Eine Gefährdung der Öffentlichkeit gehe davon keinesfalls aus. Doch das Pforzheimer Ordnungsamt versucht seit rund zwei Jahren, den Hund als gefährliche Bestie, als "Gefahr für die Sicherheit und Ordnung" darzustellen. Nun sollte er sein Dasein trauernd im Tierheim fristen, wie viele andere Leidensgenossen. Und vielleicht sogar getötet werden. Eine unglaubliche Herzlosigkeit, die auch rechtlich höchst bedenklich ist. Nur unter Mithilfe eines mutigen Rechtsanwalts und Ankündigung eines Gerichtsverfahrens gegen die Stadt konnte der Hund wieder aus seinem Kerker entlassen werden. Sonst wäre er inzwischen wohl auch umgebracht worden. Echte Tierfreunde sollten gegen solche Zustände aufbegehren und sich endlich zusammenschließen. Denn derartige Verhältnisse sind auch bezeichnend für die oft intolerante, menschen- und tierfeindliche Atmosphäre in unserer Stadt.

Jürgen Wiedmann

Auf den Punkt gebracht!

 

 

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