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Wohltäter oder Abzocker? Wie die Brauer-Dynastie Pforzheim beherrscht und immer reicher wird - Leser-Kommentare
Das Imperium des Bier-Königs
Da lacht der Bierkönig: Die Bürger-Gelder, die einst neben der Schlosskirche bei der einstigen Steuereinnehmerei abgegeben werden mussten, fließen jetzt direkt in die Kasse seines "Lehners"-Wirtshauses. Das "Brauhaus" durfte mit dem Segen der Stadt ein kitschiges und nicht originalgetreues Gebäude an die historischen Mauern klatschen. Unter Zähneknirschen des machtlosen Denkmalschutzes. Der Blick auf die mittelalterliche Kirche ist nun noch mehr verdeckt. Für Wolfgang Scheidtweiler ein weiterer cleverer Schachzug auf dem Weg zum Gastronomie-Monopol in Pforzheim.
Wolfgang Scheidtweilers Gastro-Reich expandiert weiter. Immer wieder darf der gebürtige Hesse an rentablen öffentlichen Plätzen "investieren", die für jeden anderen Unternehmer wohl tabu wären. Ein florierendes Restaurant nach dem anderen zieht der Brauhaus-Chef hoch - ausnahmslos in Top-Lagen von Pforzheim.
Und die Brauhaus-Meile zieht sich längst quer durch Pforzheim. Vom "Bellevue" am Friedhof über den Schlosspark, vorbei am städtebaulich völlig missratenen "I-Dipfele", über den Ratskeller, Parkhotel, Stadthalle und Stadttheater bis hoch zum "Seehaus" erstreckt sich das Imperium des Bierkönigs und seiner Frau Andrea. Die entstammt der steinreichen Gestensaft-Dynastie Ruppaner vom Bodensee. Zwar gibt es von Konstanz noch keine Bier-Pipeline nach Pforzheim. Aber trotzdem wird Bodensee-Weizen bei uns als "Brauhaus" verkauft. Und umgekehrt wird den Südschwaben "Ratskeller-Pils" als heimisches Produkt untergejubelt.
Wie kommt's, dass immer wieder ausgerechnet der "Bierkönig" zum Zug kommt? Insider vermuten seit langem, das dies an seinen "guten Beziehungen" zu Stadtverwaltung und Gemeinderat liegt. Mancher Bürger glaubt sogar schon, das Brauhaus sei eine Firma der Stadt. Da sei absolut nichts dran, beeilt sich der städtische Pressesprecher Michael Strohmayer auf STADTBLATT-Anfrage zu betonen. Aus Kreisen der Konkurrenz hört man andere Töne: Das Brauhaus bekomme deshalb bei lukrativen Projekten den Zuschlag, weil ihm die Angebote der Mitbewerber rechtzeitig mitgeteilt würden. Dann könne Scheidtweiler entsprechend günstigere Konditionen anbieten. Schwere Vorwürfe - denn solche Praktiken wären eindeutig illegal. Der Stadt-Pressesprecher: "Das Brauhaus wird nicht bevorzugt."
Währenddessen zeigt sich der clevere Multi-Unternehmer gerne öffentlich als großer Wohltäter von Pforzheim. Stolz sei er, mit diesen "Bereicherungen für unsere Stadt" einiges erreicht zu haben, tönt der Bierkönig. Zumindest für seinen eigenen Wohlstand mag das sicherlich zutreffen. Andererseits waren Quasi-Monopolstellungen noch nie gut für den Wettbewerb. Den konnte sich Scheidtweiler - begünstigt durch gute Beziehungen - stets erfolgreich vom Leib halten. Hervorragende "Connections" soll der Großunternehmer auch durch den noblen Rotary Club haben. Schon damals, als er das "Filetstück" neben der Stadthalle für sein Parkhotel erhielt, war klar, dass die anderen Traditionshotels in Pforzheim einen schweren Stand haben würden. Das frühere Schlosshotel ist längst abgerissen, die "Goldene Pforte" ging Pleite und wurde zur Bauruine und inzwischen zum Altenheim, das "Hotel Ruf" dümpelt wie die restlichen Herbergen vor sich hin. Doch nicht genug: Der Brauhaus-Clan (unterstützt vom Großversandhaus Klingel) durfte an (zu) enger Stelle dem Parkhotel sogar noch einen Erweiterungsbau verpassen. Zu Lasten des "gequetschten" Stadtbildes.
Schon vor einiger Zeit beklagte sich der damalige Inhaber des alt eingesessenen "Café am Tor" in der Nordstadt, Daniel Miguel, über die Bevorzugung Scheidtweilers bei der Vergabe des neuen "Bellevue" am Hauptfriedhof durch die Stadt. Durch den Neubau würden die anderen Lokale im Stadtteil große Probleme bekommen. Miguel behielt recht. Das "Bellevue" in bester Lage zog fast das gesamte "Bestattungs-Geschäft" an sich. Sein Café musste Miguel inzwischen dicht machen, seine Firma hat Konkurs angemeldet. Ohne Frage: Der Bierkönig hat nicht nur beim Brauen ein glückliches Händchen. Sondern das selbige auch noch in vielen anderen lukrativen Geschäften: Neben der Stadthallen-Gastronomie gleich über die Straße den Ratskeller. Geschickt - bleibt im einen Betrieb was übrig, kann es im anderen noch verkauft werden. Das "goldene Dreieck" schloss sich mit dem Stadttheater-Bistro "Opera", das sogar nachträglich an den Musentempel angebaut wurde. Fast eine (städtische) Lizenz zum Gelddrucken.
Damit nicht genug, regiert Scheidtweiler mit 25-jährigem Pachtvertrag auch über den Biergarten im öffentlichen Enzauenpark. Dortiger Wirt und Brauhaus-Großkunde: Der wegen Verdacht auf organisierte Kriminalität verhaftete Frank Daudert (das STADTBLATT berichtete). Dass es eine direkte Bierleitung vom Brau- ins Rathaus gebe, ist dagegen wohl wirklich nur ein scherzhaftes Gerücht.
Der kleine Hauptkonkurrent Ketterer (wenn man das überhaupt so nennen kann) hat da schon wesentlich schlechtere Karten: Sein "Wildpark-Stüble" ist nicht mehr als eine größere Imbissbude. Dann gibt es noch den Schlosskeller und das Braustüble. Das war's im wesentlichen. Vielleicht hat Ketterer einfach nicht die "richtigen Connections"? Auch beim Bierverkauf in der ganzen Region hat das Brauhaus die Nase ganz weit vorn. Kaum eine Wirtschaft, in der nicht das "Naturtrübe" von der Sankt-Georgen-Steige ausgeschenkt wird. Scheidtweilers Marketingmethoden seien knallhart, hört man von Wirten. Mit strengen Abnahmeverpflichtungen würden die Gastronomen quasi "geknebelt". Wer aussteigen und den Gästen andere Getränke bieten wolle, habe einen schweren Stand im Städtle. JW



