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Minister als Waffennarr

Die Affäre um Landes-Justizminister Ulrich Goll als "Waffennarr" zieht weite Kreise. Der Minister gehöre zu den "gefährdeten Personen", so das Ministerium. Andere eventuell gefährdete Personen, die nicht Justizangehörige sind, hätten dieses Anrecht auf Waffenbesitz nicht, teilte uns der Stuttgarter Oberstaatsanwalt Stefan Wirz auf Anfrage mit. Der Grundsatz der Gleichbehandlung scheint hier nicht zu gelten. Es besitzen derzeit sieben Richter, acht Staatsanwälte und 15 Gerichtsvollzieher in Baden-Württemberg ebenso wie der Justizminister einen Waffenschein, so Wirz. Ab wann jemand als gefährdet eingestuft werde, hänge vom konkreten Einzelfall ab. Es gebe konkrete Anhaltspunkte für eine Gefährdung des Justizministers. Durch wen, wollte der Sprecher des Ministeriums nicht mitteilen.

Die Stuttgarter Nachrichten schreiben Folgendes über die Affäre:
"Es seien künftig intensive Kontrollen bei Waffenbesitzern notwendig, so Ministerpräsident Stefan Mappus. So habe es bis Ende 2009 bei 1500 Kontrollen im Land rund 700 Beanstandungen meist wegen regelwidriger Aufbewahrung der Waffen gegeben. Sein Kabinettskollege, Justizminister Ulrich Goll (FDP), begrüßte das ("Unser Ziel ist es, dass so wenig Waffen wie möglich in privater Hand bleiben"), um dann aber vor der versammelten Landespresse plötzlich einzuräumen, selbst Waffen zu besitzen. Er habe seit 1996 privat eine 9-Millimeter-Pistole des baden-württembergischen Waffenherstellers Heckler & Koch und obendrein einen Revolver, Kaliber 22, des US-Herstellers Smith & Wesson. Damals habe er in der Dienstwohnung bei der Polizeidirektion in Stuttgart gewohnt und das Interesse am Schießsport entdeckt. Seither nehme er "alle sechs bis acht Wochen" am Schießtraining der Polizei teil. Goll beeilte sich zu betonen, dass er eine Waffenkarte hat, beide Waffen daheim "mustergültig im Tresor" aufbewahrt sind und nur er den Code kenne.
Dass sein Justizminister ein Waffennarr ist, überraschte dann aber selbst den Ministerpräsidenten. Je länger Golls verbales Bekenntnis dauerte, desto mehr legte Mappus die Stirn in Falten. Damit nicht genug. Als Mappus wenig später für sich und Finanzminister Willi Stächele beteuerte, man besitze keine Waffen, flachste Rech noch, dass Stächele "wohl gerne eine haben würde", um die Sparpläne im maroden Landesetat besser durchzusetzen. Dann aber räumte auch Stächele ein, daheim in Oberkirch nicht waffenlos zu sein. Seine Frau besitze Jagdwaffe und Jagdschein.
Da registrierte es Mappus mit Wohlwollen, dass sein Innenminister zwar im Schützenverein ist und Leibwächter hat, aber keine eigenen Waffen besitzt. So handhaben es offenbar auch die meisten anderen Regierungsmitglieder. So ließen Landwirtschaftsminister Rudi Köberle, Europaminister Wolfgang Reinhart und Sozialministerin Monika Stolz auf Anfrage ausrichten, keine Waffen zu besitzen. Innenminister Rech jedenfalls nahm Goll umgehend in Schutz und lobte dessen regelmäßiges Training: "Wer eine Waffe zu Hause hat, sollte damit auch umgehen können."

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